Was ist das Ziel hinter Phishing-E-Mails?
Das Aufkommen des Internets hat Kriminellen neue Möglichkeiten für Betrug eröffnet. Um ihren Fallen zu entgehen, ist es unerlässlich, die Motive und Vorgehensweisen von Cyberkriminellen bei Phishing-Angriffen zu kennen.
Was ist das Ziel hinter Phishing-E-Mails?
Das Ziel von Phishing-Angriffen besteht darin, dass Cyberkriminelle ihre Opfer dazu verleiten, in einer Weise zu handeln, die den Angreifern zugutekommt – beispielsweise Geld zu überweisen, ein Passwort preiszugeben, Malware herunterzuladen oder den Angreifern sensible Daten zu übermitteln. Die Täter nutzen häufig Social-Engineering-Techniken, um ihre Identität und ihre Motive zu verschleiern, und geben sich als vertrauenswürdige Personen oder Informationsquellen aus, um das Opfer dazu zu bringen, ihren Lügen Glauben zu schenken. Viele dieser Social-Engineering-Taktiken erzeugen ein Gefühl der Dringlichkeit und nutzen die Hilfsbereitschaft der Menschen oder deren Angst vor Strafen als Manipulationstaktik aus. Auch wenn jeder Phishing-Angriff anders ist, gibt es einige gemeinsame Merkmale, auf die man achten sollte, um nicht zum Opfer zu werden.
Finanzbetrug
Die gravierendste Folge von Phishing sind finanzielle Verluste. Betrüger begehen Finanzdiebstahl durch Ransomware-Angriffe, Erpressung und betrügerische Geldtransfers. Dies ist in der Regel das Motiv eines Phishing-Angriffs, der zu einem „Business Email Compromise“ (BEC) oder einem Ransomware-Angriff führt.
Datendiebstahl
Daten sind für Unternehmen das neue Öl. Jedes Unternehmen verfügt über wertvolle Daten, die ihm bei der Geschäftsabwicklung helfen. Cyberkriminelle haben es auf die Daten eines Unternehmens abgesehen, um sie gewinnbringend zu verkaufen oder das Unternehmen gegen Lösegeld zur Rückgabe der Daten zu erpressen. Manchmal werden die Daten, die Cyberkriminelle bei einem Cyberangriff erbeuten, für einen weiteren Angriff genutzt – ein Umstand, der häufig bei Angriffen auf die Lieferkette zu beobachten ist. Böswillige Akteure gelangen in der Regel durch unbefugten Zugriff, über Dark-Web-Foren und durch unbeabsichtigte Weitergabe von Informationen an diese Daten.
Identitätsdiebstahl
Bei vielen erfolgreichen Cyberangriffen verschaffen sich Hacker Zugang zu sensiblen personenbezogenen Daten (PII) oder geschützten Gesundheitsdaten (PHI) von Personen. PII helfen Kriminellen dabei, Identitätsdiebstahl zu begehen. Identitäten können zur Begehung weiterer Cyberkriminalität missbraucht oder im Dark Web verkauft werden.
Da wir nun die Folgen eines Cyberangriffs kennen, ist es unerlässlich zu verstehen, wie Cyberkriminelle ihre Opfer in die Falle locken.
Wozu sollen Phishing-E-Mails Sie verleiten?
Eine typische Phishing-E-Mail nutzt eine von zwei Methoden, um ihr schmutziges Werk zu verrichten. Manchmal enthält eine E-Mail einen schädlichen Anhang, der beim Herunterladen Malware wie Ransomware installiert. In anderen Fällen enthält eine Phishing-E-Mail einen Link zu einer Website, über die Cyberkriminelle Informationen wie Passwörter stehlen oder Nutzer dazu verleiten können, Malware herunterzuladen.
Es gibt eine Vielzahl von Methoden, mit denen Betrüger ihre hinterhältigen Pläne umsetzen. Im Folgenden werden einige gängige Vorgehensweisen beschrieben, wie Phishing-E-Mails von einem bloßen Versuch zu einem erfolgreichen Angriff werden.
Klicken Sie auf einen Link
Cyberkriminelle versenden überzeugende E-Mails, die die Opfer dazu verleiten, auf einen darin enthaltenen Link zu klicken, wodurch ein bösartiger Download ausgelöst wird und die Cyberkriminellen Zugriff auf die Daten und Systeme der Opfer erhalten. Die Vortäuschung einer Markenidentität und Spoofing sind gängige Techniken, die bei dieser Art von Angriffen zum Einsatz kommen.
Eine Website besuchen
Wenn das Opfer in der Phishing-E-Mail aufgefordert wird, eine Website aufzurufen, besteht das Ziel oft darin, Informationen wie Passwörter zu stehlen, um Cyberkriminellen einen Zugang zu den geschäftlichen oder privaten Systemen des Opfers zu verschaffen, damit sie Daten entwenden oder Malware einschleusen können.
Anhang öffnen
Manche Nachrichten übertragen eine schädliche Nutzlast über einen Anhang, der einer Phishing-E-Mail beigefügt ist. Da diese E-Mails scheinbar von einer vertrauenswürdigen Quelle stammen, öffnen die Opfer den Anhang und tappen damit in die sorgfältig ausgelegte Falle der Cyberkriminellen. Diese Technik wird häufig bei BEC- und Malware-Angriffen eingesetzt.
Informationen eingeben
Eine weitere hinterhältige Methode, mit der Cyberkriminelle an Informationen gelangen können, ist ein in eine bösartige Website eingebettetes Formular, in dem Nutzer zur Eingabe ihrer Zugangsdaten aufgefordert werden. Sobald die Nutzer die gewünschten Informationen eingegeben haben, können Hacker ihre Zugangsdaten stehlen und einen Angriff zur Kontoübernahme (ATO) starten.
Direkt antworten
Kriminelle geben sich manchmal als vertrauenswürdige Kollegen, Führungskräfte oder regelmäßige Korrespondenzpartner aus, um ihre Opfer dazu zu verleiten, vertrauliche Informationen preiszugeben. Ein Beispiel für diese Art von Angriff ist das sogenannte „Conversation Hijacking“, bei dem sich Cyberkriminelle in einen bereits bestehenden Gesprächsverlauf einschalten.
Handeln Sie!
Manchmal geben sich Phishing-Täter als Autoritätspersonen aus, beispielsweise als Führungskraft im Unternehmen des Opfers oder als Regierungsbeamter, und fordern die Opfer auf, ihnen Zugriff auf ein System zu gewähren oder Geld direkt an sie zu überweisen. Hacker erzeugen ein Gefühl der Dringlichkeit, sodass den Opfern nicht genügend Zeit bleibt, die Echtheit des Absenders zu überprüfen.
Welche Art von Informationen versuchen Phishing-E-Mails zu erlangen?
Phishing-Angriffe werden durchgeführt, um an Geld, Daten und Zugangsdaten zu gelangen. Phishing-Angriffe auf Einzelpersonen können sehr gezielt erfolgen – eine Technik, die als „Spear-Phishing“ bezeichnet wird. Bei allgemeineren Phishing-Versuchen werfen Cyberkriminelle ein weites Netz aus und erstellen und nutzen einen Köder, der eine Vielzahl von Menschen anspricht, um zu sehen, was sie damit erreichen können.
Cyberkriminelle sind daran interessiert, verschiedene Arten von Informationen zu erlangen, wie zum Beispiel:
Persönliche Daten
Wenn sich eine Phishing-E-Mail an eine bestimmte Person richtet, passen die Angreifer die E-Mail häufig so an, dass sie das Opfer direkt anspricht, und fügen Informationen ein, die nur ein Bekannter wissen könnte. Die folgenden Informationen sind bei einem Phishing-Angriff auf eine Einzelperson besonders begehrt:
- Sozialversicherungsnummer: Diese Angabe kann für Identitätsdiebstahl sowie für betrügerische Kredit- oder Kreditkartenanträge missbraucht werden.
- **Bankkonten:** Sobald Cyberkriminelle Zugriff auf die Bankkonten einer Person haben, nutzen sie diese für Geldtransfers und finanzielle Manipulationen.
- **Kreditkartennummern:** Der Diebstahl von Kreditkartendaten ist für Kriminelle eine ideale Möglichkeit, Produkte und Dienstleistungen online zu erwerben.
- **Steuerdaten:** Hacker nutzen Ihre Steuerdaten, um Steuerrückerstattungen zu stehlen. Innerhalb eines Jahres gelang es Hackern, über den „Get Transcript“-Dienst der US-Steuerbehörde (Internal Revenue Service) sensible Daten von über 100.000 Steuerzahlern zu stehlen. Sie nutzten diese Daten, um betrügerische Steuererklärungen einzureichen, und erbeuteten so Steuerrückerstattungen in Höhe von schätzungsweise 50 Millionen US-Dollar.
- **Persönliche Dateien oder Fotos:** Wir alle haben private Bilder, Dateien oder Videos auf unseren Geräten gespeichert. Wenn Hacker an diese persönlichen Dateien gelangen, nutzen sie diese zur Erpressung oder verkaufen sie illegal.
- Anmeldedaten: Heutzutage ist jeder im Internet stark präsent, und wir verwenden für viele Online-Konten dieselben Passwörter. Cyberkriminelle verschaffen sich Zugriff auf verschiedene Konten, wenn sie eines Ihrer Passwörter stehlen. Diese Informationen werden für weitere Cyberangriffe genutzt oder in Dark-Web-Foren verkauft. Mehr als 60 % der Mitarbeiterverwenden dasselbe Passwort für verschiedene Anwendungen im beruflichen und privaten Umfeld.
Während ein Datenleck mit personenbezogenen Daten für den Einzelnen schwerwiegende Folgen hat, hat die Kompromittierung von Geschäftsdaten katastrophale Auswirkungen. Nach Angaben der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) müssen etwa 60 % der kleinen und mittleren Unternehmen innerhalb von sechs Monaten nach einer Datenpanne oder einem Cyberangriff den Betrieb einstellen. Hier sind die Geschäftsdaten, auf die es Cyberkriminelle bei ihren Phishing-Angriffen abgesehen haben.
Unternehmensinformationen
Cyberkriminelle stehlen alle Informationen, die sie in die Finger bekommen können, doch diese Arten gehören zu ihren Favoriten.
- Anmeldedaten: Wenn Cyberkriminelle Zugriff auf die Anmeldedaten eines Mitarbeiters haben, können sie problemlos auf Unternehmenskonten zugreifen und Datendiebstahl begehen. In einem durchschnittlichen Unternehmen sind im Dark Web wahrscheinlich etwa 17 Sätze von Anmeldedaten verfügbar, die von böswilligen Akteuren genutzt werden können.
- Firmenkonten: Durch den Zugriff auf Firmenbankdaten können Betrüger diese für Geldtransfers und finanzielle Manipulationen nutzen.
- Geschäftsdokumente: Jedes Unternehmen verfügt über streng vertrauliche Geschäftsdokumente, die dem Unternehmen und seinen Kunden Schaden zufügen könnten, wenn sie in die falschen Hände geraten. Nach dem Zugriff auf diese Dokumente könnten Cyberkriminelle Lösegeld dafür fordern, die darin enthaltenen Informationen für weitere Cyberangriffe nutzen oder sie illegal verkaufen.
- Interne Kommunikation: Die interne Kommunikation eines Unternehmens kann zahlreiche sensible Informationen enthalten. Kriminelle können diese nutzen, um verschiedene Straftaten zu begehen, darunter auch Erpressung.
- Vertrauliche Informationen: Ähnlich wie bei Geschäftsunterlagen können Cyberkriminelle vertrauliche Informationen als Druckmittel für Lösegeldforderungen nutzen, sie an Wettbewerber verkaufen oder sie zum Diebstahl geistigen Eigentums missbrauchen.
- Kunden- und Mitarbeiterdaten: Kunden- und Mitarbeiterdaten sind in vielen Dark-Web-Foren sehr gefragt. Angreifer stehlen diese Daten, um sie im Dark Web zu verkaufen, und nutzen sie möglicherweise auch, um den Ruf eines Unternehmens zu schädigen.
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