9 Dinge, die CISOs den Schlaf rauben
Wenn Sie wegen Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit nachts nicht schlafen können, sind Sie nicht allein. Auf der Kaseya Connect 2025 traf sich Jason Manar, CISO bei Kaseya, mit drei führenden Experten für Cybersicherheit – Tim Youngblood, CISO-in-Residence bei Astrix Security, Corey Ruthardt, Präsident von Simpatico Systems, und Greg Sullivan, Gründungspartner von CIOSO Global –, um über ihre größten Bedenken im Bereich Cybersicherheit zu sprechen.
Hier sind die neun Dinge, die ihnen am meisten auf dem Herzen liegen:
1. Uneinigkeit hinsichtlich der Risikopriorisierung
Für Jason Manar liegt die Ursache vieler schlafloser Nächte in mangelnder Abstimmung – nicht nur zwischen den Mitgliedern des Sicherheitsteams, sondern auch unternehmensweit. Diese Lücken können eine ganze Reihe schwerwiegender Folgen für die Cybersicherheit nach sich ziehen, darunter auch die Fehleinschätzung von Bedrohungen.
„Wenn wir nicht aufeinander abgestimmt sind, dann bewerten, einstufen und priorisieren wir das vorliegende Risiko nicht angemessen“, erklärte Manar.
Wenn sich Vorstände, Führungsteams, IT-Verantwortliche und Sicherheitsexperten hinsichtlich Risikotoleranz, Priorisierung von Bedrohungen und Strategien zur Risikominderung nicht einig sind, entstehen in Unternehmen Schwachstellen und blinde Flecken, die Angreifer dann ausnutzen können.
2. Das anhaltende Risiko des menschlichen Faktors
Greg Sullivan wies auf eine seit jeher problematische Schwachstelle hin, die seit Jahren ganz oben auf der Sorgenliste vieler CISOs steht – die Nutzer. Für viele CISOs verursacht das Nutzerverhalten mehr Stress als technische Probleme, einschließlich Sicherheitslücken.
„Es ist die menschliche Seite all dessen, die uns nachts den Schlaf raubt“, kommentierte Sullivan.
Die Ergebnisse des Kaseya-Berichts zur Cybersicherheitsumfrage 2024 zeigen, dass Sullivan mit seinen Schlafstörungen nicht allein ist: 45 % unserer Umfrageteilnehmer nannten die Nutzer als eines der größten Probleme im Bereich der Cybersicherheit.
3. Die Ungewissheit hinsichtlich des Nutzerverhaltens und die damit verbundenen Risiken
Die Diskussionsteilnehmer bestätigten, dass CISOs sich nicht nur Gedanken darüber machen, was ihre Sicherheitsteams tun, um das Unternehmen zu schützen. Sie machen sich auch Gedanken über die Gewohnheiten und Sicherheitspraktiken aller Mitarbeiter in den Unternehmen ihrer Kunden.
Für Managed-Service-Provider (MSPs) wie Corey Ruthardt kann die doppelte Verantwortung, sowohl das eigene Unternehmen zu schützen als auch die Sicherheit ihrer Kunden zu gewährleisten, die Einbindung neuer Kunden besonders komplex machen. Gerade bei der Einbindung neuer Kunden stellt die Sicherheit für sie eine besondere Herausforderung dar. Die individuellen Anforderungen, Sicherheitspraktiken und der Reifegrad im Bereich Sicherheit variieren von Kunde zu Kunde, wodurch MSP-Unternehmen einer Vielzahl unbekannter Risiken ausgesetzt sind.
„Man weiß nie so recht, was einen erwartet, wenn man hereinkommt“, warnte Ruthardt. „Es könnten alle möglichen Dinge auf einen warten, von denen man keine Ahnung hat.“
Ruthardt wies darauf hin, dass Neukunden häufig falsch konfigurierte Cloud-Umgebungen mitbringen, darunter ungeschützte Schnittstellen, nicht verwaltete Identitäten und plattformübergreifende Schwachstellen – allesamt ideale Einstiegspunkte für Angreifer.
4. Der Umgang mit dem zweischneidigen Schwert der KI
Auch die Sorge um die zunehmende Bedeutung künstlicher Intelligenz (KI) in den Bereichen Cybersicherheit und Cyberkriminalität raubt den CISOs den Schlaf.
Die Diskussionsteilnehmer zeigten sich begeistert von den zahlreichen potenziellen Vorteilen, die IT-Teams durch den Einsatz KI-gestützter Tools erzielen können, darunter verkürzte Bearbeitungszeiten bei Supportanfragen, automatisierte Phishing-Erkennung und optimierte Security Operations Center (SOCs).
„Der Einsatz von KI, um dieses Maß an Unterstützung zu bieten und häufige Probleme zu lösen, die am meisten Zeit in Anspruch nehmen, ist ein enormer Vorteil“, sagte Manar. „Dadurch können sich die Mitarbeiter auf komplexere Aufgaben konzentrieren, da die häufigsten Phishing-Szenarien automatisch abgewickelt werden, ohne dass menschliches Eingreifen erforderlich ist.“
Ruthardt fügte hinzu, dass für MSPs der Schwerpunkt darauf liege, KI für praktische Lösungen wie die Automatisierung sich wiederholender Aufgaben und die Steigerung der Effizienz zu nutzen. Der Trend zur KI-gesteuerten Automatisierung beschleunigt sich rasant, begleitet von wachsenden Investitionen der Branche. Ruthardt warnte davor, dass IT-Fachleute durch eine zu starke Konzentration auf KI-Tools und Automatisierungen die Bedeutung eines personalisierten Kundenerlebnisses aus den Augen verlieren könnten.
„Als MSP bieten wir nach wie vor professionelle Dienstleistungen an“, sagte Ruthardt. „Wir sind dazu da, zu beraten, mit den Kunden in Kontakt zu treten und ein Erlebnis zu schaffen, das ihnen letztendlich gefallen wird. Und wenn wir den Schwerpunkt so stark auf KI-Tools und Automatisierungen legen, geht ein Großteil dieses Kundenservice-Aspekts verloren.“
Andererseits hob Manar die Vorteile hervor, die der Einsatz von KI für böswillige Akteure mit sich bringt. So wies er beispielsweise darauf hin, dass KI es Angreifern und böswilligen Insidern mittlerweile ermöglicht, sensible Daten weitaus schneller als früher aufzufinden, wodurch das, was früher umfangreiche Suchvorgänge erforderte, nun durch eine einfache Eingabebefehlszeile erledigt werden kann.
5. Der zunehmende Druck durch Daten-Governance und Compliance
Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass Compliance und Daten-Governance im Mittelpunkt jeder Sicherheitsstrategie stehen müssen, damit IT-Verantwortliche beruhigt sein können – eine Herausforderung, die im Zeitalter der KI nur noch an Bedeutung gewinnt. Ruthardt warnte die Teilnehmer, dass die große Beliebtheit der KI dazu führen dürfte, dass Anwender und Techniker auf diese Tools zurückgreifen, selbst wenn dies im Widerspruch zu den Sicherheitsrichtlinien steht. Dies bringt neue Komplexitäten im Datenmanagement mit sich.
„Mitarbeiter werden KI nutzen, egal ob sie auf ihren Smartphones in ChatGPT tippen oder auf ihren Computern auf Tools zugreifen – selbst wenn Sie bestimmte Plattformen auf eine Sperrliste setzen“, sagte Ruthardt. „Als MSP müssen Sie äußerst vorsichtig damit umgehen, wie Daten systemübergreifend behandelt werden. Sobald Daten in diese Systeme von Drittanbietern eingegeben werden, verlieren Sie den Überblick und die Kontrolle darüber.“
Youngblood pflichtete ihm bei und betonte, dass IT-Fachleute Vorsicht walten lassen sollten, wenn sie sich auf agentenbasierte KI verlassen. Diese Art zielorientierter, autonomer Technologie trifft Entscheidungen und ergreift Maßnahmen im Namen eines Nutzers und erledigt Aufgaben ohne ständige menschliche Aufsicht. Der Einsatz von KI-„Agenten“ zur Bewältigung von Routineaufgaben kann zwar die Effizienz steigern, aber auch unerwartete Compliance-Risiken mit sich bringen. Er führte ein zum Nachdenken anregendes Beispiel an, wie leicht dies geschehen kann.
„Stellen Sie sich vor, ein in den USA ansässiger KI-Agent sagt zu einem in der EU ansässigen KI-Agenten: ‚Ich versuche, dieses geschäftliche Problem zu lösen. Ich weiß, dass du Zugriff auf diese Daten hast. Kannst du sie mir zur Verfügung stellen?‘“, erklärte Youngblood.
„Nehmen wir einmal an, die Daten werden in Deutschland gespeichert. Sobald der in den USA ansässige Mitarbeiter sie in ein US-Rechenzentrum überträgt, verstößt er damit bereits gegen DSGVO. Das Problem ist, dass der Mitarbeiter nichts über DSGVO weiß. Und genau da wird es gefährlich.“
Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass eine effektive Datenverwaltung unerlässlich ist, um sich in der sich ständig wandelnden Landschaft der regulatorischen Compliance zurechtzufinden, mit der IT-Fachleute konfrontiert sind. Sie betonten, dass Richtlinien von Anfang an so gestaltet werden sollten, dass sie strenge Datenschutzmaßnahmen und klare Protokolle zur Gewährleistung der erforderlichen Datenlöschung beinhalten.
Ruthardt betonte, wie wichtig ein sorgfältiges Compliance-Management insbesondere für MSPs ist. Er rät dazu, mit externen Experten zusammenzuarbeiten, um die Einhaltung der Vorschriften verschiedener Aufsichtsbehörden sicherzustellen.
„Wenn es um die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften geht, sind die Details nicht vernachlässigbar, und ohne fachkundige Beratung werden sie zu Ihrem größten Risiko“, sagte Ruthardt.
6. Sich abzeichnende blinde Flecken
Genau wie alle anderen liegen auch CISOs nachts wach und machen sich Sorgen um die Zukunft. Die Podiumsteilnehmer tauschten ihre Gedanken zu künftigen Herausforderungen aus und beleuchteten Themen, auf deren Bewältigung sich die Teilnehmer vorbereiten sollten. Youngblood wies auf ein oft übersehenes Risiko hin: nicht-menschliche Identitäten. Dienstkonten, APIs, OAuth-Token und App-zu-App-Verbindungen sind nur einige Beispiele für die Risiken durch nicht-menschliche Identitäten, die in modernen Umgebungen allgegenwärtig sind.
„Auf 1.000 Mitarbeiter kommen in Ihrer Umgebung 40.000 nicht-menschliche Identitäten“, erklärte Youngblood und [verwies dabei auf eine Studie von Gartner](https://www.techrepublic.com/article/gartner-iam-professionals/#:~:text=Der Aufstieg der Maschinenidentitäten – Das Wachstum macht sie zu einem enormen, unkontrollierten Cyberrisiko.).
Diese Identitäten können ein großes Risiko darstellen, da es oft an einer klaren Zuständigkeit und Kontrolle mangelt. Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass der Mangel an Transparenz hinsichtlich seltener Schwachstellen diese zu einem zunehmend attraktiven – und immer häufiger genutzten – Angriffsvektor für Angreifer macht.
7. Bekannte und unbekannte Sicherheitslücken
Während andere Schafe zählen, zählen CISOs Sicherheitslücken. IT-Fachleute können viele bekannte Sicherheitslücken proaktiv mindern und müssen diese gewissenhaft nachverfolgen und zügig beheben. Allerdings gibt es ebenso viele unentdeckte Sicherheitslücken, die in freier Wildbahn kursieren. Das bedeutet, dass IT-Verantwortliche robuste, zukunftsfähige Abwehrmaßnahmen aufrechterhalten müssen, um Probleme zu vermeiden – ganz zu schweigen von unangenehmen Besprechungen.
„Das Letzte, was man will, ist, vor dem Vorstand stehen zu müssen und erklären zu müssen, wie man über eine Sicherheitslücke, von der man selbst nichts wusste, aber von der jemand anderes wusste, erfolgreich angegriffen wurde“, riet Sullivan.
Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass Komponenten von Drittanbietern eine häufig übersehene Quelle für Sicherheitslücken darstellen. Zwar verfügen IT-Fachleute oft über fortschrittliche Tools zur Überwachung von Sicherheitslücken in ihren Netzwerken, doch haben sie nur begrenzten Einblick in die Sicherheitslücken, die durch Komponenten von Drittanbietern in ihre Netzwerke eingebracht werden – was zu gefährlichen Einfallstoren für Angreifer führen kann.
8. Bereitschaft, Probleme anzugehen
Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass CISOs, die ruhig schlafen wollen, auf das Unerwartete vorbereitet sein müssen. Um dies zu erreichen, müssen sie in proaktive Sicherheitstools investieren, wie beispielsweise die Erfassung von Informationen zu fortgeschrittenen Bedrohungen und Penetrationstests. IT-Führungskräfte müssen außerdem sicherstellen, dass ihre Teams stets wachsam sind und ein hohes Maß an Bereitschaft aufrechterhalten.
„Jeden Morgen sollte man mit dem Gefühl aufwachen, dass ein Sicherheitslücken vorliegt, und herausfinden, wo diese Lücke liegt“, sagte Tim Youngblood.
Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass eine starke Führung der Schlüssel zum Erfolg in einer Cyberkrise ist. Sie wiesen darauf hin, dass IT-Führungskräfte nicht nur vorbereitet sein müssen, sondern auch bereit sein müssen, im Notfall jederzeit Kursänderungen vorzunehmen, da erste Berichte unter Umständen unzuverlässig sind und vorab geplante Strategien möglicherweise spontan angepasst werden müssen.
9. Zunehmender Bedarf an Zusammenarbeit
Der Weg zu einem ruhigen Schlaf für Sicherheitsverantwortliche dreht sich vor allem um Zusammenarbeit. Der mögliche Verlust von Ressourcen wie der National Vulnerability Database hat die breitere Diskussion über Kommunikation und Informationsaustausch in der Welt der Cybersicherheit in den Vordergrund gerückt.
Sullivan wies darauf hin, dass Angreifer – anders als viele IT-Teams – nicht isoliert voneinander agieren. Die Schwierigkeit, die starken Abwehrmaßnahmen zu überwinden, mit denen Unternehmen heute ausgestattet sind, hat zu einer umfassenden Zusammenarbeit innerhalb des gesamten Ökosystems der Cyberkriminalität geführt. Die Verteidiger hingegen haben traditionell anders gehandelt: IT-Verantwortliche zögern oft, Informationen weiterzugeben – sehr zu ihrem eigenen Nachteil.
Sullivan betonte: „Wir müssen voneinander lernen und unsere Erfahrungen austauschen, sonst haben wir keine Chance, denn wir stehen den effektivsten Kooperationspartnern der Welt gegenüber.“
Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass zur Lösung des Problems noch viel Arbeit zu leisten ist und dass diese Arbeit für jeden Verantwortlichen im Bereich Cybersicherheit oberste Priorität haben muss.
Der Weg in die Zukunft: Führung, Wachsamkeit und Zusammenarbeit
Trotz der beunruhigenden Lage endete die Podiumsdiskussion mit einer ermutigenden Botschaft. Manar erinnerte das Publikum daran, dass jeder, der im Sicherheitsbereich tätig ist – unabhängig von seiner Position –, eine Führungsrolle beim Schutz seiner Organisation und seiner Gemeinschaft zu übernehmen hat, und bekräftigte damit, dass Zusammenarbeit und Vorsicht die Leitmotive für alle, die sich für die Sicherheit einsetzen, sein müssen.
Die Diskussionsteilnehmer machten deutlich, dass die Sorgen, die CISOs nachts den Schlaf rauben, nicht verschwinden werden. Durch proaktives Handeln, den verantwortungsvollen Einsatz von KI und Zusammenarbeit können zukunftsorientierte Sicherheitsverantwortliche diese Herausforderung jedoch meistern und einen soliden Kurs für die Zukunft vorgeben.